Welche Daten sammeln KI-Assistenten wie Alexa, Siri oder Copilot? Ein Überblick über Datenschutzrisiken und wie Sie sich schützen.

Wer einen Sprachassistenten aufstellt oder Copilot auf dem PC aktiviert, gibt einer Software Zugang zu einem Bereich, der sehr persönlich ist: das eigene Zuhause und die eigene Arbeit. Was passiert dabei mit Ihren Daten - und was können Sie tun, um die Kontrolle zu behalten?
Der Umfang der Datenerhebung unterscheidet sich je nach Produkt und Konfiguration erheblich. Gemeinsam haben fast alle modernen KI-Assistenten: Sie senden Sprachaufnahmen, Anfragen oder Bildschirminhalte an Server des Herstellers.
Amazon Alexa speichert standardmäßig alle Sprachaufnahmen nach dem Aktivierungswort in der Cloud. Diese Aufnahmen können dort für Monate liegen und werden für das Training des Sprachmodells genutzt. Alexa hört - selbst bei korrekter Funktionsweise - permanent auf das Aktivierungswort.
Apple Siri verarbeitet seit iOS 14 einen Großteil der Anfragen auf dem Gerät selbst (On-Device-KI). Dennoch werden viele komplexere Anfragen an Apples Server weitergeleitet. Apple anonymisiert die Daten nach eigenen Angaben stärker als Wettbewerber.
Microsoft Copilot in Windows 11 kann Ihren Bildschirminhalt und laufende Anwendungen "sehen", sofern Sie die entsprechenden Funktionen aktivieren. Im Home-Office-Kontext sind das oft vertrauliche Dokumente oder berufliche Kommunikation.
Google Assistant nutzt ein detailliertes Nutzerprofil, das Google ohnehin aufbaut. Sprachaufnahmen fließen in dieses Profil ein und verbessern personalisierte Werbung.
1. Dauerhaftes Mithören Alle sprachgesteuerten Assistenten lauschen permanent auf ihr Aktivierungswort. Dabei kommt es regelmäßig zu Fehlauslösungen - in denen kurze Gesprächsfetzen gespeichert werden, die gar nicht für den Assistenten gedacht waren.
2. Datenübertragung in die USA Die meisten KI-Dienste speichern Daten auf US-amerikanischen Servern. Das EU-US Data Privacy Framework bietet eine rechtliche Grundlage, schützt aber nicht vollständig vor dem Zugriff US-amerikanischer Behörden.
3. Verarbeitung sensibler Inhalte Wenn Copilot Ihren Bildschirm analysiert oder Alexa ein Gespräch mithört, können sehr persönliche Informationen erfasst werden: Gesundheitsfragen, Finanzdaten, Konflikte in der Familie.
4. Unsichere Standard-Einstellungen Hersteller aktivieren datenhungrige Funktionen oft standardmäßig. Viele Nutzer ändern diese Einstellungen nie - einfach weil sie nicht wissen, dass es sie gibt.
Sprachaufnahmen regelmäßig löschen Bei Amazon und Google können Sie Ihre Sprachaufnahmen jederzeit in den Einstellungen der App löschen. Stellen Sie außerdem ein, dass Aufnahmen nach 3 oder 6 Monaten automatisch gelöscht werden.
Aktivierungswort-Erkennung anpassen Alexa und Google Home bieten die Option, die Empfindlichkeit der Aktivierungswort-Erkennung zu reduzieren. Das vermindert Fehlauslösungen erheblich.
Copilot-Funktionen gezielt einschränken In den Windows-Datenschutzeinstellungen können Sie kontrollieren, welche Apps auf Ihr Mikrofon und Ihre Kamera zugreifen dürfen. "Recall" - die Funktion, die kontinuierlich Screenshots des Bildschirms anfertigt - lässt sich deaktivieren und sollte für die meisten Nutzer ausgeschaltet bleiben.
Physischer Mikrofon-Schalter nutzen Viele Smart-Speaker haben einen physischen Schalter, der das Mikrofon hardware-seitig abschaltet. Das ist die sicherste Methode, um sicherzugehen, dass kein Mithören stattfindet.
Lokale KI als Alternative prüfen Mit lokalen KI-Modellen (auf dem eigenen Gerät, ohne Cloud-Verbindung) lassen sich viele Aufgaben datenschutzfreundlich erledigen. Lokale KI-PCs wie die neuen Copilot+-Geräte ermöglichen das für immer mehr Anwendungsfälle.
Die DSGVO schreibt vor, dass Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zustimmen müssen und das Recht haben, Auskunft über gespeicherte Daten zu bekommen sowie deren Löschung zu verlangen. In der Praxis ist es aber oft umständlich, diese Rechte gegenüber großen US-Konzernen durchzusetzen.
Wichtig: Wenn Sie einen KI-Assistenten nutzen, der auch Gespräche anderer Personen aufzeichnen könnte (Familie, Mitbewohner, Besucher), gelten besondere Sorgfaltspflichten. Das bloße Aufstellen eines dauerhaft lauschenden Geräts in gemeinschaftlich genutzten Räumen ist datenschutzrechtlich nicht unproblematisch.
Datenschutz bei KI-Assistenten ist kein Grund zur Panik - aber ein guter Grund, die Standardeinstellungen genau anzuschauen. Die gute Nachricht: Mit wenigen gezielten Einstellungen lässt sich das Datenschutzniveau erheblich verbessern, ohne auf die Bequemlichkeit der Assistenten verzichten zu müssen.
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